Zwei Lämmer und ich

Ihr habt es ja bemerkt: In den letzten Wochen ist hier auf dem Blog irgendwie so gar nichts passiert. Keine neuen Texte mehr und keine Berichte über mein Training *hust*. So ist das manchmal im Leben.

Das liegt aber nicht daran, dass ich keine Lust mehr hatte oder zu faul war. Im Gegenteil, ich hab so einige Texte gedanklich in der Warteschlange stehen, doch ich komme nicht dazu, sie in Worte zu fassen. 

Das hat aber einen tierisch guten Grund, über den ich zumindest bei Instagram in Bruchstücken schon berichtet habe: wir sind mitten in der Gründung eines Lebenshofes vor den Toren von Berlin!

Aber lasst mich von vorn anfangen…

Am 29. März diesen Jahres, vor gerade einmal 2 Monaten, habe ich Elisabeth kennengelernt. Elisabeth ist wirklich eine Wucht – sie ist ein wenig verrückt, gern zu Scherzen aufgelegt und hat ein riesengroßes Herz voller Liebe!

Unsere erste Begegnung hatten wir in einem dunklen Stall, umringt von Schafen und Lämmern. Wir haben uns dort getroffen, weil Elisabeth es sich zur Aufgabe gemacht hat, möglichst viele dieser Tiere dort vor dem Schlachter zu retten. Denn der Schäfer dieses Schäfereibetriebes geht in Rente und der Betrieb soll aufgelöst werden. Und zwar schon Ende des Sommers. Elisabeth hat also den Plan gefasst, möglichst viele dieser Tiere vorher freizukaufen und ihnen ein Leben in Freiheit zu ermöglichen.

Als ich von ihrem Aufruf erfuhr, wusste ich sofort, dass ich helfen musste. Und da in diesem konkreten Fall auch keine neuen Tiere ‚nachproduziert‘ werden, konnte ich dies mit meinem Gewissen gut vereinbaren.

Wie entscheidet man, wer leben darf?

Und so standen wir da. In einem dunklen Stall. Links und rechts von uns zahlreiche Lämmer und Mutterschafe und nun sollte ich zwei von ihnen auswählen. Aber wie? Wie entscheidet man, wer leben darf – und wer nicht? Wie wählt man 2 fühlende Wesen für ein Leben in Freiheit aus, wenn man mit dieser Entscheidung zeitgleich zahlreichen Anderen diese vielleicht einzige Chance verwehrt?

Es war eine furchtbare Situation und ich versuchte mich an dem Gedanken festzuhalten, dass es zumindest für diese zwei Individuen das größte Glück auf Erden sein wird. Mit dem Wissen, dass es alle gleichermaßen verdient haben, wählten meine Tochter und ich die beiden Lämmer aus, denen wir in diesem Stall zuerst begegnet waren – ein Zwillingspärchen, erst wenige Wochen alt. Elisabeth übernahm den Freikauf der Mutter, denn es hätte uns allen das Herz gebrochen, sie zu trennen.

Ein neuer Tierschutzverein inkl. Lebenshöfen entsteht

Doch mit diesen zwei Freikäufen war die Sache für mich natürlich nicht erledigt. Ich hatte so vielen anderen Lämmern und Mutterschafen in diesem Stall in die Augen gesehen und so fühlte ich mich verpflichtet, mehr zu tun. Ich rührte also kräftig die ‚Werbetrommel‘ und gab mein Bestes, um weitere Freikäufer für ‚Elisabeths Schafe‘ zu finden, was mir glücklicherweise auch gelang.

Elisabeth war von meinem spontanen Engagement so berührt, dass sie mich am 07. April kurzerhand fragte, ob ich mir vorstellen könnte, eines der Gründungs- und Vorstandsmitglieder ihres neu entstehenden Tierschutzvereines inkl. Lebenshof zu werden.

Nie im Leben hätte ich dieses wundervolle Angebot ablehnen können. Zusammen mit fünf ganz großartigen und engagierten Menschen leite ich seitdem den gemeinnützigen Tierschutzverein ‚Lasst die Tiere leben‘, für den wir aktuell auch die Eintragung in das Vereinsregister beantragen. Zu unserem Verein gehören unser Lebenshof „Muckele‘s Farm“ bei Annette in 14552 Michendorf, unser Lebenshof „Animal Refuge“ bei Elisabeth in 15377 Buckow sowie ganz frisch unser großes Lebenshofprojekt in 15374 Hermersdorf, Müncheberg.

In diesen letzten 7,5 Wochen ist so erstaunlich viel passiert.

Wir haben es aufgrund der enormen Geschwindigkeit der Entwicklungen vermutlich selbst noch nicht so ganz realisiert, denn zum Durchatmen und Revue passieren lassen kamen wir zuletzt so gut wie nie.

In den vergangenen 2 Monaten haben wir 2,6 Hektar Land von der LEG Hermersdorf mit Kaufoption gepachtet. Und wir können dort bereits 14 Laborschweinen sowie mittlerweile 87 Schafen und Lämmern aus dem direkt gegenüber liegenden Schäfereibetrieb ein sicheres Zuhause geben. Dank der Unterstützung vieler großzügiger Spender können wir zudem den Freikauf von 21 sich aktuell akut in der Mast befindenden Lämmern gewährleisten. Die weiteren 33 dieser sich akut in der Mast befindenden Lämmer können glücklicherweise von einem befreundeten veganen Schäfer übernommen werden. Wir sind so glücklich darüber, denn heute wäre ihre Frist abgelaufen und die Anmeldung beim Schlachter erfolgt.

Diese ganzen phänomenalen Entwicklungen wären ohne die finanzielle wie tatkräftige Hilfe von zahlreichen herzensguten Menschen, die uns bisher mit Spenden und ihrer Arbeitskraft völlig uneigennützig unterstützt haben, niemals möglich gewesen. Wir sind selbst total sprachlos und mehr als überwältigt über die wundervolle Resonanz auf unser Lebenshofprojekt. Vielen, vielen herzlichen Dank an euch alle! Wir wissen gar nicht, was wir sagen sollen…

Was ist ein Leben wert? Impressionen von unserem Lebenshof
Die Fotos 1-9 sowie 11 stammen von Spooky Sally von den Cherrymuffin Studiosdie Fotos 10 und 12 stammen von Timo Stammberger

So schön, wie es ist, so kompliziert ist es auch

Ich würde meinen Text an dieser Stelle liebend gern beenden, doch wie es in der Tierrechtsarbeit leider oft der Fall ist, liegen Freud und Leid auch bei unserem Lebenshofprojekt extrem nah bei einander. Und so fristen auch dann immer noch 330 Lämmer und Schafe ihr Dasein in dem dunklen Stall des Schäfereibetriebes, ca. 50m von ihrer potenziellen Freiheit auf unserem Lebenshof entfernt. Wir brauchen euch nicht zu sagen, dass wir nichts lieber tun würden, als auch diese 330 zauberhaften Lebewesen zu retten und zu uns herüber zu holen. Wir wünschten, es wäre so einfach! Doch das ist es leider nicht…

Denn mittlerweile stoßen wir in Bezug auf die zur Zeit verfügbare Fläche unseres Lebenshofes leider an unsere Grenzen. Denn die Kapazitäten auf dem aktuellen Hofgelände sind mit 14 Schweinen und 87 (+21) Schafen bereits bei 110% was den Platz anbelangt. Diese 110% tragen wir mit all der Kraft, die wir haben. Doch uns noch weiter aus dem Fenster zu lehnen, wäre für das gesamte Lebenshofprojekt aktuell leider zu riskant. Und so müssen wir auch zum Schutz der auf allen drei Höfen bereits bei uns lebenden Tieren schweren Herzens vorerst einen Schlussstrich ziehen.

Ein Freikauf der übrigen 330 Schafe und Lämmer kann nur erfolgen, wenn wir auch den Kauf der gesamten LEG-Fläche (65 Hektar inkl. Gebäuden und landwirtschaftlichen Maschinen) umsetzen können. Ein Angebot diesbezüglich liegt uns seitens der LEG Hermersdorf mit einer Kaufpreissumme von 500.000€ bereits vor. Wir würden dieses Gelände natürlich liebend gern kaufen. Was gäbe es für die vegane Bewegung sinnbildlicheres, als ein ehemaliges Massentierhaltungs-Gelände in einen Lebenshof zu verwandeln? Aber das geht natürlich nicht mal eben so… Zumal die wortwörtliche Deadline bereits für Ende August angesetzt ist. Bis dahin geht nach und nach die gesamte Herde zum Schlachter, wenn wir den Kauf des LEG-Geländes nicht ermöglichen können.

Die Leben dieser 330 wundervollen Lebewesen hängen also leider an einer enormen Summe Geld mit einem enormen Zeitdruck. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass leider immer noch nur ein Bruchteil unserer bereits geretteten Tiere überhaupt bepatet ist. Die laufenden Kosten auf unserem Lebenshof dürfen wir natürlich auch nicht außer acht lassen.

Es ist so furchtbar. Auch für uns selbst, die wir uns nur wenige Meter von diesen 330 Schafen entfernt aufhalten! Doch wir haben auch eine Verantwortung allen Tieren auf unseren drei Lebenshöfen, dem gerade erst richtig entstehenden Lebenshofprojekt in Hermersdorf sowie allen Spendern gegenüber, sodass uns leider früher oder später die Hände gebunden sind – selbst, wenn uns das unsere eigenen Herzen bricht.

Wir werden dennoch nicht kampflos aufgeben. Wir möchten, dass ihr das wisst!

Ihr müsst und könnt darauf vertrauen, dass wir dennoch weiterhin alles in unserer Macht stehende tun. Dass wir Tag und Nacht Pläne schmieden, telefonieren, die Köpfe qualmen und Kontakte spielen lassen, Kreditangebote erfragen und sogar unsere Familien aktuell oft vernachlässigen. Um dieses nötige Land doch noch irgendwie zu bekommen!!! Wir haben versprochen, dass wir alles geben werden, um so viele der Schafe wie möglich zu retten! Und das tun wir! Wir können leider nicht versprechen, dass wir es bis zur Deadline schaffen, die gesamte Herde zu retten.

Euer aller Unterstützung und Vertrauen in unsere Arbeit ist so wundervoll. Es bedeutet uns so viel und wir werden alles geben, um auch euch nicht zu enttäuschen. Wir haben aktuell mehr als eine Pistole auf der Brust. Der Zeitdruck ist einfach enorm, vor allem in Anbetracht der Dimensionen über die wir reden. Wir werden dennoch nichts unversucht lassen, darauf könnt ihr euch verlassen! Doch allein können wir es einfach nicht schaffen.

Daher sind wir nun zusätzlich zu der Suche nach Paten für unsere Tiere auch ganz aktiv auf der Suche nach einem oder mehreren Großspendern, die wie wir an diese Vision eines friedlichen Miteinanders von Mensch und Tier glauben und uns bei der Umsetzung der Gelände-Erweiterung unterstützen möchten.

Wir bitten euch von ganzem Herzen, uns weiterhin so tatkräftig wie bisher zu unterstützen. Bitte teilt unsere Geschichte weiträumig. Erzählt euren Bekannten, Freunden und Verwandten von uns und bittet auch sie, unseren Hilferuf weiterzutragen. Man kann nie wissen, wer vielleicht auf genau so ein soziales Projekt wie unseren Lebenshof wartet und in der Lage ist, uns bei der Erweiterung des Geländes zu unterstützen.

Danke! Tausend Mal DANKE!

Sophie – stellvertretend auch für das restliche ‚Lasst die Tiere leben‘-Team bestehend aus Elisabeth, Annette R., Kathrin, Annette P. und Marcel


Lasst die Tiere leben

Elisabeth Schön • Dorfstraße 19 • 15377 Buckow/OT Hasenholz • mobil: 0152/05780129

Homepage: www.lasst-die-Tiere-leben.org

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